Bugatti Schuhe im Test

 

Es muss Anfang Juni gewesen sein, als Frank sich bei mir meldete. Er und ich, wir sind alte Freunde, haben uns vor Ewigzeiten bei der verordneten Zwangsrunde bei der Fahne kennen gelernt und sind über die Jahrzehnte stets in Kontakt geblieben. Frank weiß um meinen Faible für Schuhe und das ich auch gelegentlich welche teste. „Paul“, begann er, „ich möchte Dir ein Paar Schuhe für einen Test vorschlagen“. Ich war ehrlich skeptisch, denn Frank, so gern ich ihn auch habe, kommt einfach nicht über das Llyod-Level hinaus. Sofort nahm ich ihm den Wind aus den Segeln: „Frank, hör mal, Llyod-Schuhe hatte ich bereits im Labor – haben dabei keine gute Figur abgegeben. Eigentlich wollte ich mal wieder ein Paar höherpreisige…“ Er unterbrach mich sofort. „Quatsch, hab ich gelesen. Kann Dein Urteil als Llyod-Fan überhaupt nicht teilen. Ich meine Bugatti!“, berichtete er aufgeregt. „Bugatti?“, fragte ich zweifelnd in den Hörer. „Seit wann macht der Luxuswagenhersteller denn bitte Schuhe?“ Frank wusste es nicht, was er jedoch wusste war meine Adresse und nur wenige Tage später trudelte ein Zalando-Päckchen mit Bugatti-Schuhen bei mir ein. Tja, was soll ich sagen, einem geschenkten Gaul schau ich ganz gern einmal ins Maul.

Die Sache mit den edlen Autos war rasch aus der Welt. Bugatti ist nicht gleich Bugatti. Hinter der Bekleidungsmarke Bugatti steckt die deutsche „bugatti Holding Brinkmann GmbH & Co KG“ mit Sitz in Herford. Irgendwie waren die Ende der 1970er ganz clever, als sie sich den Namen „bugatti“ für eine neue Bekleidungslinie aussuchten (angeblich nach der Studie des Mailänder Telefonbuchs) und ihn sich beim Patentamt sichern ließen. Der Automarke ging es zu diesem Zeitpunkt gar nicht gut. Doch wie können hier zwei Firmen unter einem Namen fertigen? Nun, seit 1999 existiert eine Vereinbarung mit dem Volkswagen-Konzern, der ein Jahr zuvor die Rechte erwarb, Automobile unter dem Markennamen Bugatti zu fertigen.

Seit 1991 vergeben die Bekleidungs-Bugattis Lizenzen für die Fertigung von Schuhen und laut eigner Aussage auf ihrem Webauftritt, beherrschen die Herforder, bzw. deren Lizenznehmer, alle traditionellen Macharten.
Ob Frank und ich nach dem Test noch Freunde sind und inwieweit es vielleicht doch Parallelen zwischen dem Bugatti Herrenschuh und dem Bugatti Flitzer geben könnte, erfahren Sie in meinem Test. Wie immer bin ich nicht gerade zimperlich mit den Tretern umgegangen.

Das Testergebnis

Optik

Um den Look dieses „Slippers“ (meint Zalando) zu beschreiben, eine kleine Anekdote. Auf einer Motto-Party im Sommer trug ich die Bugatti Schuhe zum ersten Mal. Das Thema war irgendwas mit Mafia, also über die italienische Familie und ihren amerikanischen Soprano-Ausläufern bis hin zur Russenmafia, die wohl am besten in Dominik Grafs beeindruckendem Werk »Im Angesicht des Verbrechens« portraitiert wurde. So oder so, die Farbe des Dresscodes war mit schwarz recht eindeutig vorgegeben. Durch das Tragen der Bugatti Schuhe konnte ich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden. Zum großen Paten sollte es in meinem Fall nicht reichen. Durch die unelegant sportliche Formgebung, dem übertrieben glänzenden Leder und dem wohl lächerlichen Klettverschluss (Hallo! Ich bin älter als 7 und kann schon Schleife binden.) reichte es nur für eine Imitation des Kleinganoven. Ich glich also eher einem Handlanger oder wie sie es im englischen nennen „muscle“. Der Typ fürs Grobe, der dann vom Helden in den Filmen zuerst kaputt gemacht wird. Andere Herren glänzten in ihren schwarzen glatten Oxfordschuhen und boten ein formidables Bild, während ich abseits blieb und pikiert Sto Gramm trank.

Falls die Optik-Wertung aus dieser Anekdote nicht ganz klar wurde, möchte ich es hier noch einmal nachholen: Fürchterlich! Absolut grauenhaft! Nach dem Abend hätte ich Frank ganz gerne mit diesen Kinderschuhen verwammst. Vorne die Karreeform, die meine Füße eher wie Hufe aussehen lässt. Dazu zwei Ziernähte auf dem Spann, die ins Nirwana laufen und nur da sind, weil sie es eben können. Dieser Schuh hat nichts im Business verloren, es sei denn man steht wirklich auf der unteren Gehaltsebene des organisierten Verbrechens. Weil ich einen guten Tag habe, vergebe ich jedoch gerne einen Gnadenpunkt.

Verarbeitung

Der Name „Chianti Crispino“, wie er bei Zalando angegeben wird, gibt bereits Aufschlüsse. Der knapp 70 Euro teure Bugatti Herrenschuh wurde in der San Crispino-Machart gefertigt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes, als eine weitere Variante der AGO-Machart (aufgepasst, die Abkürzung steht für einen Euphemismus: Another Great Opportunity). Diese wiederum beschreibt schlichtweg und ganz einfach den verklebten Schuh.
Den ersten Grifftest übersteht der Schuh mühelos. Der Kleber hält zusammen, was hier zusammen gehört. Einzig die Stretch-Zunge gibt ein wenig nach, aber das ist schließlich so gewollt, denn irgendwie handelt es sich ja bei dem Bugatti Schuh um eine Slipper-Variante, bei welcher der Einstieg doch recht unkompliziert verlaufen sollte.

Gehen wir ein wenig tiefer und lassen die Flex kreischen. Einmal zerteilt, erhalte ich einen ungetrübten Blick auf die Innereien des Bugatti Schuhs. Das Innenfutter besteht tatsächlich zu geschätzten 62 Prozent aus einer dünnen Lederschicht unbekannter Herkunft. Der Rest ist Stoff. Auch die Innensohle verfügt über einen hauchdünnen Lederüberzug. Im Vorderfußbereich ist dieser mit einem sternförmigen Lochmuster versehen. Was diese Löcher hier zu suchen haben, vermag ich nicht klar zu sagen. Anzunehmen sind hier Gründe der besseren Atmung, wobei sich mir die Frage stellt, wohin der heiße Fuß hier atmen soll? Direkt in die Klebung? Eine Korkausballung oder ähnliches sucht man vergebens. Vielmehr besteht die Unterseite der Brandsohle aus Schaumstoff. Sie bietet ein wenig Polster, birgt jedoch nicht für Haltbarkeit. Direkt unter hier liegt der bereits erwähnte Stoff, der wiederum durch einen weiteren klebenden Stoff auf der Laufsohle befestigt ist. Das Material der Laufsohle ist Gummi, der fest mit einer Hartpappe verklebt ist. Ein lockerleichtes Gehgefühl ist garantiert – die lange Beziehung zwischen Schuh und Träger indes weniger.

Ah ja, bevor ich es vergesse. Schaumstoff findet sich ebenfalls unter der minimal dünnen Oberlederschicht. Der Blick nach Hinten: Fersenkappe aus Pressspan und ein geklebter Gummiabsatz. Immerhin werden hier nicht mehrere Schichten suggeriert, der Käufer erhält was er sieht und zwar einen schönen dicken Gummipropfen.
Der innere Rand erklärt dann auch die San Crispino Machart. Ein Großteil ist verklebt, doch zudem wird das Oberteil durch eine zusätzliche Naht („San Crispino Naht“) mit der Brandsohle verbunden. Ein Plus an Handwerk, auch wenn ich stark bezweifle, dass dies per Hand erfolgte.

Ein kräftiger Zug am Klettverschluss bleibt folgenlos. Gut gemacht, hier kann man sich festhalten, wenn zu viel Vodka bei Sommerparties getankt wurde.

Okay, natürlich handelt es sich bei dem Bugatti Herrenschuh nicht um eine handwerkliche Meisterleistung, aber das gibt er auch gar nicht vor. Er vereint die Errungenschaften der Vulkanisierung mit einer kleinen Naht. Die verarbeiteten Materialien sind nicht hochwertig, doch sie halten und passen zusammen. Der Bugatti Schuh reiht sich hier problemlos in die breite, kostengünstig produzierte, Masse von Alltagsschuhen ein, wie sie im Discounter zu finden sind.

Ledertest

Den Part hake ich dieses Mal fix ab. Da sich keine Informationen finden lassen, gehe ich einmal davon aus, dass sich bei dem Oberleder um einfaches Rinderleder handelt. Dieses ist recht weich, wobei durch seine kaum vorhandene Tiefe ich eher in den Schaumstoff denn in Leder kneife. Der glanzgestoßene Aspekt ist nicht meine Sache. Ansonsten lässt sich noch vermerken, dass es sich hierbei um deckgefärbtes Oberleder handelt – in der Preisklasse habe ich aber auch nichts anderes erwartet. Den Wassertest besteht es mit Bravour. Leder färbt nicht ab und verschwindet kommentarlos unter der Gummisohle.

Es lässt sich festhalten: Ja, es handelt sich hier um Leder – nicht mehr und nicht weniger. Keine großen Ausreißer nach vorne, eben der minimal mögliche Standard um einen Schuh als Lederschuh zu definieren.

Tragetest

Die ersten Momente auf der Sommerparty fühlten sich außerordentlich gut an in den Bugatti Herrenschuhen. Locker leicht sitzen sie an meinem Fuß und ja, für einen kurzen Moment genieße ich diese Leichtigkeit, die ein rahmengenähter Schuh nicht zu bieten weiß (ich spreche hier vom Gewicht!). Doch nach einigen Märschen zum Buffet und der Bar wird rasch deutlich, dass die Bugatti Schuhe meinen Füßen keine optimale Führung geben – sie wirken wie Fremdkörper und plötzlich merke ich einen zunehmend unangenehmen Druck am rechten kleinen Zeh. Links ist dort alles bestens, doch bereitet mir hier der Mittelfußbereich Probleme. Dieser ermüdet nur all zu rasch und beginnt zu schmerzen.

Ich bin erstaunt, denn bisher hatte ich in Schuhen noch nicht das Problem, dass sich links und rechts anfeinden. Auch zickte mein Spann bisher nicht rum.

In der Folge beließ ich es bei Kurzeinsätzen der Bugatti Herrenschuhe, die immer so getimed waren, dass ich die Möglichkeit zum Schuhwechsel hatte, als die Schmerzen einsetzten. Will sagen: Es wurde nicht besser, aber vielleicht hab ich dieses Problem auch nur ganz exklusiv. Wie bei anderen verklebten Schuhen erhalte ich auch hier wieder rasch Rückenschmerzen – dies bezieht sich aber eben nicht alleine auf die Bugattis.

Sonstiges

Die Schuhe wurden im hauseigenen Bugatti-Schuhkarton geliefert. Wer bis zum Erhalt noch nicht wissen sollte, von welcher Firma seine neuen Schuhe denn eigentlich sein mögen, der bekommt es hier spätestens in fetten Lettern auf die Augen gedrückt. Nicht schön, wie ich finde. Ein wenig Understatement oder zumindest ein Hauch von Eleganz hätte der traurigen Verpackung gut getan.

Im Karton selbst warten dann noch zwei minderwertige Polyester-Schuhbeutel auf den neuen stolzen Besitzer der Bugatti Herrenschuhe. In diesem machen die Schuhe dann aber tatsächlich eine gute Figur, da man sie nicht mehr sieht.

Sonst fällt mir hier nichts ein. Immerhin sind die Beutel vorhanden und prinzipiell liegt der Preis für die Schuhe nicht im exorbitanten Bereich.

Mein Fazit

Tja, Frank. Irgendwie war das nichts mit den Bugatti Herrenschuhen, die Du für mich zum Testen auserkoren hast. Ab sofort bleiben wir bei unseren Veteranengeschichten und halten uns von diesem Thema hier fern. Es sei denn, Du lässt dich noch mal von mir zum guten Schuh bekehren.

Die von mir getesteten Bugatti Herrenschuhe haben mich weder wütend gemacht, noch überrascht. Sie sind ein Paradebeispiel für die weltweit meistverkauften Schuhe. Preiswerte Materialien werden in Fabriken, unter kräftiger Zuhilfenahme von Kleber, zu billigen Schuhen gemuschelt. Mit der Tradition des Schuhmacherhandwerks hat dies nichts zu tun. Es entstehen Schuhe zu vermeintlich günstigen Preisen für die breite Masse. Diese trägt sie eine, vielleicht zwei Saisons lang und dann wandern sie in die Tonne und machen Platz für den nächsten Billigschuh. Es lebe der Kapitalismus! Nieder mit der Nachhaltigkeit.

Absolut langweilig. Mehr kann und will ich dazu gar nicht schreiben. Wer in seinem Leben nur Schuhe wie diesen hier kennt, der weiß im Grunde überhaupt gar nichts über Schuhe. Schade.

Mercedes Schuhe im Test

 

Beim Namen Mercedes denkt man eher an einen deutschen Nobelkarossenhersteller als an eine Schuhmarke. Doch tatsächlich werden bereits seit 1909 und damit 17 Jahre vor Gründung von Mercedes Benz, in Osnabrück Mercedes Schuhe hergestellt. Die Firma kann dementsprechend auf eine lange Tradition zurückblicken, wovon man sich hier aber nicht täuschen lassen sollte, denn lange Jahre schien die Marke vom Erdboden verschluckt zu sein. Erst seit Ende 2005 erfolgte die Wiederbelebung, nachdem Mercedes Schuhe von der HR-Gruppe übernommen wurde. Dahinter stehen die Schuhhandelsunternehmen Hamm und Reno und seitdem finden sich Mercedes Schuhe vornehmlich im breiten Sortiment der Schuhhandelskette Reno und dürften daher einer breiteten Öffentlichkeit bekannt sein.

Mittels einer wahrscheinlich nicht ganz billigen Imagekampagne, unter Federführung von den Werbern von Scholz & Friends, wurde der Marke ein modernes Image verpasst. Höhepunkt dürfte wohl die Zusammenarbeit mit dem Fußballbundesligisten Werder Bremen gewesen sein, dessen offizieller Ausrüster Mercedes Schuhe von 2006 bis 2010 war. Mittlerweile treten die Werder-Kicker übrigens in Lloyd-Schuhen auf.

Doch auch wenn diese veritable Partnerschaft nicht mehr existieren mag, in alten Pressemitteilungen finden sich noch so unglaublich schöne Treueschwüre, wie der von Werder-Manager Klaus Allofs, der auf die Frage, welche Lieblingsmarke er denn habe, angeblich antwortete: »Am liebsten sind mir natürlich Schuhe von Mercedes!«

Für mich als alten Fußball- und Schuhfan ist das natürlich die perfekte Steilvorlage und so habe ich mir ein Paar Mercedes Schuhe zukommen lassen, um Sie einmal durch mein Testlabor zu schleifen. Ob die Qualität der Schuhe mit der gleichnamigen Autoedelmarke mithalten kann, oder ob sie einen ähnlichen Weg geht wie die 1. Mannschaft von Werder Bremen in der Saison 2010/2011, erfahren Sie in meinem ausführlichen Test.

Das Testergebnis

Optik

Schade, ich hätte mich sehr über einen pfiffigen Namen bei dem Schuhmodell meiner Wahl gefreut, doch im Reno-Shop heißt der Schuh schlicht »Mercedes Halbschuh, schwarz«. Bei dem Modell handelt es sich um einen klassischen Herren Halbschuh im sportlich eleganten Derbyschnitt. Auf den ersten Blick gibt es hier nichts zu meckern und der Mercedes Schuh könnte zum neuen »Sechser« meiner Schuhkollektion avancieren. Vielseitig einsetzbar und dank klare schöner Formen hübsch anzusehen. Gerade der spitz zulaufende vordere Teil des Schuhs hat es mir angetan.

Dem flüchtigen Blick hält der Mercedes Schuh also stand. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es sich nicht um einen Captoe handelt. Die abgetrennte Vorderkappe wird lediglich durch eine Ziernaht angedeutet und erweist sich als Kirmes. Ich schaue einmal rundherum und erblicke überall diese Ziernähte, deren visuelle Bedeutung sich mir nicht erschließen mag. Vorne findet sich noch eine elliptische Doppelziehrnaht und auf den Seitenquartieren sind diese auch noch unglaublich dynamisch geschwungen, beinahe wie bei einem Sportschuh. Wurde der Mercedes Schuh etwa noch zu Zeiten der Werder-Partnerschaft designt? Muss ja, denn auf gediegenen Anlässen hat Mann mit diesen Schuhen definitiv nichts verloren – dann schon eher im Stadion.

Die Ösen der 4-Paar-Schnürung sind von außen deutlich zu sehen und eben nicht geschickt im Leder versteckt. Schade. Der sich durch sie ziehende Schnürsenkel ist auch viel zu dick und flauschig. Sein Einsatzgebiet ist eher bei einem Wanderschuh zu suchen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie unangenehm sich eine Regendusche hier auswirken würde.

Nein, was auf den ersten Blick edel und dank der schwarzen Farbe auch anmutig wirkt, entpuppt sich rasch als optischer Rohrkrepierer. Vielleicht will der Mercedes Schuh ja auch nur auffallen und aus dem Einheitsbrei der Masse herausstechen. Ich bin ein wenig enttäuscht, denn hier wurde massig Potenzial liegen gelassen. Aber immerhin stimmt die äußere Form und der gewiefte Leisten, auf dem der Schuh gefertigt wurde.

Verarbeitung

Das Sägeblatt surrt durch das Leder des Schuhs und teilt ihn sauber in zwei Hälften. Neugierig blicke ich in den nun aufgeschnittenen Schuh und was ich dort sehe und fühle, lässt mein Schuhliebhaberherz bluten. Noch niemals zuvor sah es in einem meiner Testschuhe so übel aus wie hier. Zuerst erblicke ich die zwei Hohlräume im mit Gummi verkleideten Holzabsatz. Warum und wieso die da sind, kann ich nicht sagen. Vielleicht bieten sie der Nässe, die wohl unweigerlich in den Absatz eindringen wird, ein trockenes Heim?

Zwischen Brand- und Laufsohle findet sich keine Pufferschicht. Beim preislich ähnlich gelagerten Modell von Deichmann gab es sogar eine Korkausballung, hier herrscht gänzliche Fehlanzeige. Völlig ungepolstert lagert die Ferse auf dem starren Holzabsatz. Das schäbige Pappteil, was ich finde, kann mit Polsterung nicht gemeint sein. Ich kann mir jetzt schon ausmalen welch Qualen mein Fuß nach kurzer Zeit in diesem Schuh ertragen wird. Dafür gibt es ein Polster in der Zunge des Schuhs. Der Grund bleibt unklar. Sicherlich, bei einem zu hohen Spann kann ein Polster hier Linderung verschaffen, aber dafür gibt es Zubehörartikel und niemand stellt alle Kunden gleich unter den Generalverdacht eines zu hohen Spanns. Besonders hier erwarte ich eine rasche Schweißbildung im Schuh, da die nötige Luftzufuhr unterbrochen wird.

Und es wird noch viel schlimmer. Bereits ohne den Schuh aufgeschnitten zu haben, kann ich ohne großen Kraftaufwand die Innensohle lösen. Wer hier also einmal mit dem Schuhlöffel hängen bleibt, hat in Sekundenschnelle seinen Schuh ruiniert. Jetzt im Aufschnitt zieh ich weiter an der Innensohle und im Nu hab ich sie komplett gelöst. Das Gleiche versuche ich mit dem gesamten Schaft und auch hier gelingt es mir blitzschnell und unter nur mäßiger Krafteinwirkung das Lederteil von der Laufsohle zu reißen. Die billigen Verklebungen haben mir nichts entgegen zu setzen. Nirgends finde ich auch nur eine Naht, durch die die Schuhteile miteinander verbunden sind. Ein Debakel.

Für den Kurzeinsatz sind die Mercedes Schuhe sicherlich gut geeignet. In der Verlängerung werden ihnen aber sehr schnell die Kräfte beziehungsweise die Verklebungen ausgehen. Schade, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass bei einem Schuh, bei dem soviel Leder verarbeitet wurde, sich so wenig Liebe zum Detail findet.

Ledertest

Der bildliche Hinweis auf der Zunge verspricht Leder satt im und am Schuh. Und hier ließ sich Mercedes auch nicht lumpen – den Hinweis »Made in India« lass ich hier einmal unkommentiert stehen. Oberleder, Innenfutter und Sohle sind aus echtem Leder gefertigt und bringen dann doch wieder ein wenig Freude bei mir zurück.

Sicherlich, das Oberleder ist mir persönlich eine Spur zu weich, doch Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich selbst habe hier Angst vor rasch auftretenden Gehfalten im Leder. Allein der Geruch macht mich nicht gänzlich glücklich. Hochwertig gegerbtes Leder riecht meiner Meinung nach vollmundiger und aromatischer. Meine Nase stört sich an der chemischen Note.

Beim Wassertest können die Mercedes Schuhe punkten. Ähnlich wie bei Werder-Keeper Tim Wiese an seinen besten Tagen, prallt das Wasser kommentarlos am Leder ab und lässt nichts durch. Perfekt.

Tragetest

Meine Ängste vor den Mercedes Schuhen lösen sich nach dem Überstreifen in Wohlgefallen auf – zumindest in den ersten zehn Minuten. Sie sitzen eng und weich am Fuß und dank ihres leichten Gewichts gehe ich beschwingten Schrittes durch die Fußgängerzone meines Ortes. Ich bin überrascht. Sollten sich die Missstände im Schuh nicht auf mein Geherlebnis auswirken? Doch! An den Außenseiten meines Spanns fangen die Mercedes Schuhe an zu drücken. Tatsächlich erweist sich der schmale Leisten, auf dem die Schuhe gefertigt wurden, für mich als zu schmal. Eine größere Weite bekommt meinen Füßen einfach besser.

Den Schmerzmoment in der Ferse erlange ich nach einer knappen Stunde Bewegung. Kein Wunder, die fehlende Polsterung fordert ihren Tribut. Vielleicht kann hier eine Einlegesohle helfen?

Nach einigen Wochen zeigt die Ledersohle deutliche Gebrauchsspuren, ist dabei aber widerstandsfähiger als bei manch anderem Modell. Die Druckstellen an meinem Vorderfuß bleiben jedoch bestehen, auch wenn sich nach dem Einlaufen ein wenig Besserung eingestellt hatte.

Für längere Aufenthalte sind die Mercedes Schuhe sicherlich nicht geeignet, es sei denn, der Träger neigt zum Masochismus. Für kurze Auftritte über wenige Stunden reichen die Schuhe aber alle Mal aus – allein von langen Messeausflügen und Spaziergängen rate ich ab.

Sonstiges

Was Mercedes im Schuh vermissen lässt, findet sich dann im Karton der Schuhe: Die Liebe zum Detail. Neben einem Nylonschuhbeutel für die Aufbewahrung und den Transport der Schuhe finden sich ein einfaches Schmutztuch und sogar ein kleiner Plastikschuhlöffel. Mit solch reichhaltigem Zubehör hätte ich nicht gerechnet, gerade wenn ich an das lieblose Verkleben der Schuhe im Werk denke. Sicherlich, das Zubehör ist weit entfernt vom Prädikat »Hochwertig« und das Schmutztuch dürfte nach einer einmaligen Anwendung reif für die Mülltonne sein, doch die Hilfsmittel geben den Schuhbesitzern ein feines Starterpaket mit an die Hand und das find ich wiederum sehr lobenswert. Der kleine Plastikschuhlöffel eignet sich ebenfalls perfekt zur Mitnahme auf Reisen und wird sicherlich zum treuen Begleiter der Neuschuhbesitzer. Top!

Mein Fazit

Eijeijei, eigentlich wollte ich es mir verkneifen, aber ich komm einfach nicht um den schnöden Werbesatz von Mercedes Schuhe herum. Vollmundig ist auf der Internetseite zu lesen: »Seit 1909 arbeiten wir am perfekten Schuh. Jetzt ist er endlich fertig.« Wenn das wirklich stimmen sollte, dann tut mir die Firma aus Osnabrück wirklich leid. Vermutlich klingt der Spruch einfach zu gut, am Wahrheitsgehalt habe ich arge Zweifel. Ich denke eher, dass die Mercedes Schuhe von 1909 noch in einer ganz anderen Liga gespielt haben, anders lässt sich das lange Bestehen der Traditionsfirma nicht erklären. Mit Schuhen wie denen von mir hier getesteten, lässt sich jedenfalls kein Ruhm begründen.

Zu unausgegoren das Design, beschämend die flapsige Verarbeitung, die viele Standards einfach vermissen lässt und zu unbequem das letztliche Geherlebnis der Mercedes Schuhe. Schade. Gerade der Mut zum spitz zulaufenden Modell hat mir sehr gut gefallen und ich versteh einfach nicht all die optischen Verschlimmbesserungen durch die vielen Ziehrnähte.

Auf der einen Seite wird viel Leder verarbeitet, was für einen gewissen Qualitätsanspruch bürgt und dann finden sich solch ungebührende Verarbeitungshinweise im Inneren des Schuhs. Ohne große Kraftanstrengungen konnte ich den gesamten Schaft von der Sohle lösen. Was mir in Sekundenschnelle gelang, wird unter natürlichen Bedingungen auch nicht allzu lange auf sich warten lassen. Ebenso kann ich im Preissegment um die 70 Euro (die Schuhe kosteten mich exakt 69,95 Euro) durchaus eine Ausballung zwischen Brand- und Laufsohle erwarten. Meine Füße würden es mir danken.

Insgesamt haben mich die Mercedes Schuhe wirklich enttäuscht und tatsächlich kann man ihre Situation mit der von Werder Bremen im Frühjahr 2011 vergleichen: Es ist viel Potenzial vorhanden und immer wieder finden sich gut Ansätze, aber letztlich wird es nicht ausgenutzt. Schade.

Borelli Herrenschuhe von Deichmann im Test

Borelli Herrenschuhe

Deichmann ist bekannt. Vielleicht sogar mehr als das. Laut eigenen Angaben haben bereits 70 Prozent aller Deutschen in ihrem Leben einmal bei Deichmann Schuhe gekauft. Das ist erstaunlich und Grund genug für mich einen Deichmann Schuh einmal in mein Testlabor einzuladen.

In seinem oberen Preissegment führt Deichmann die Hausmarke Borelli. Herrenschuhe, die unter diesem Label gefertigt werden, sind angeblich aus feinstem Leder und sollen durch ihre gute Passform überzeugen. Der Clou: Borelli-Herrenschuhe sind rahmengenäht. Der Preis für die Borelli-Herrenschuhe, die im Folgenden weiterhin so von mir genannt werden, da ihr wirklicher Name eher einer Sträflingsnummer (1331531) gleicht, scheint konkurrenzlos günstig zu sein. Doch wie gut können rahmengenähte Herrenschuhe bei einem Verkaufspreis von knapp 60 Euro wirklich sein? Die Antwort erfahren Sie in meinem Test.

Das Testergebnis

Optik

Die Borelli-Herrenschuhe sind Klassiker der Schuhgeschichte. Es handelt sich hierbei um einen Full-Brogue Derby in Schwarz. Charakteristisch für die Borelli-Herrenschuhe und alle anderen Full-Brogues ist seine rosettenverzierte Vorderkappe, die herzförmig ausgeschnitten ist und bis zum Schaft der Schuhe reicht. Die aufgesetzten Flügel- und Fersenkappen verfügen ebenso über reichhaltige Lyralochungen.

Der Fachmann spricht in diesem Falle von einem sportlichen Charakter, auch wenn die Allgemeinheit hiermit wohl eher Sportschuhe assoziieren würde. Full-Brogues waren früher übrigens klassische Golfschuhe. Der Herzog von Windsor trug sie auf dem Green, aber ebenso zu gesellschaftlichen Anlässen. Er machte diese Herrenschuhe weltweit populär.

Das Erscheinungsbild der Borelli-Herrenschuhe gibt keinen Anlass zur Klage, wenn man einmal vom traurig schimmernden Oberleder absieht, welches im krassen Kontrast zur glänzenden Vorderkappe steht. Deichmanns Schuhdesigner haben sich hier klar an die klassischen Vorgaben gehalten. Es muss nun jeder selbst entscheiden, ob er einen Full-Brogue Derby vom Aussehen her schätzt, oder ob ihm die reichhaltigen Verzierungen vielleicht doch ein klein wenig zu viel des Guten sind. Für mich indes trifft Letzteres zu. Über sportliche Kombinationen, zu denen dieser Schuh wohl am besten passt, verfüge ich nicht und sein Absatz wirkt für mich ein klein wenig zu mächtig. Auch hätte der Leisten, auf dem der Borelli-Schuh gefertigt wurde, ruhig ein klein wenig enger vorne zusammenlaufen dürfen.

Kurzum: Der gemeine Schuhfreund kann beim Look der Borelli-Herrenschuhe nicht groß meckern. Wer klassische Schuhmodelle bevorzugt, der bekommt hier genau das optisch geboten – ohne Wenn und Aber. Allein für meinen Geschmack wäre ein dezenterer Absatz, als auch ein schmalerer Leisten von Vorteil gewesen, um dem Schuh noch einen Tick an Eleganz zu verleihen. Das milchige Oberleder schafft dies zumindest nicht.

Verarbeitung

Ganz ehrlich, ich war schon ein bisschen baff, als ich den Borelli-Schuh zerlegte. Noch im heilen Zustand hatte der Schuh auf mich einen sehr soliden Eindruck gemacht. Er ist griffig, hat das nötige Gewicht und auf den ersten Blick ließen sich keine Schluderarbeiten erkennen – sieht man einmal von dem nicht immer sauber geschnittenen Zackenmuster ab, welches an den aufgesetzten Kappen verläuft, sowie den unsauber zusammenlaufenden Rahmenenden.

Doch das Freilegen des Innenlebens entlockte mir tatsächlich ein lang gezogenes »Ohhhhhh«. Damit hatte ich nun nicht gerechnet und hielt die Versprechungen des Beipackzettels (»Innenfutter aus Leder«, »Korkfußbett«) für Augenwischerei. Um mein Erstaunen hier noch einmal zu untermauern: Der Schuh hat mich tatsächlich nur 59,90 Euro gekostet!

Auf den ersten Blick halten die Borelli-Herrenschuhe also die Versprechungen ihres Herstellers. Die grobe Korkausballung weist einen opulenten Durchmesser auf und der gesamte Innenraum ist mit Leder gefüttert – dem natürlichen Feind des Schweißfußes.

Ein Anblick also, den ich eigentlich nur von Schuhen aus einem deutlich höheren Preissegment gewohnt bin.

Doch natürlich ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Bei näherer Betrachtung offenbarte sich im Anschnitt ein ausgefranstes Futter an der Oberkante des Schaftes. Dies wiederum ist ein klares Zeichen für eine weniger sorgfältige Verarbeitung. Die Schaumstoffschicht unter der Ferse, die für eine ausreichende Polsterung des Fußes sorgen soll, fällt für meinen Geschmack ein klein wenig zu dünn aus. Statt eines Gelenkstücks, welches die Führung des Fußes im Schuh begünstigt, als auch dem Erhalt der Schuhform dient, entdecke ich einen seltsamen Plastikspachtel, dessen genaue Funktion sich mir nicht wirklich erschließen möchte. Etwa ein Gelenkfederersatz? Zumindest war der Schlingel gut im Kork versteckt gewesen.

Trotz einiger Makel, die Borelli-Herrenschuhe sind für ihren Verkaufspreis äußerst gut! Ich kann hier wohl kaum die Qualität in Verarbeitung und Material erwarten, wie ich es bei 200-Euro-Schuhen und aufwärts tue. Im Gegenteil, von dem Gesehenen war ich durchaus positiv überrascht. Ganz ehrlich, ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, da Anspruch und Wirklichkeit sehr oft gigantisch weit auseinander liegen – gerade bei Firmenwerbung.

Ledertest

Wir haben bisher erfahren, dass Obermaterial, Innenmaterial und Laufsohle aus echtem Leder sind. Soweit so gut und die Verwendung von Leder ist natürlich weitaus besser als Kunststoffe, doch wie steht es um die Qualität des verarbeiteten Leders in den Borelli-Herrenschuhen?

Zunächst einmal ist das Oberleder mit einer Dicke von 2 Millimetern recht dünn ausgefallen. Bei einem leichten Druck mit dem Finger schlägt es viele kleine Falten. Ein Zeichen dafür, dass hier zu viel Farbe aufgetragen wurde, was wiederum vermuten lässt, dass dadurch leichte Mängel in der Qualität des Leders kaschiert wurden. Welche Ledersorten hier zum Einsatz kommen und wie sie gegerbt sind, ließ sich selbst nach einer langen Recherche nicht herausfinden. Nur soviel: Deichmann bezieht sein Leder aus Gerbereien in Fernost.

Doch auch hier will ich überhaupt nicht den Ankläger spielen. Ein rahmengenähter Schuh in dieser Preisklasse muss irgendwo einsparen und das hier nicht die besten Leder verwendet wurden, dürfte demnach klar sein. Gleiches gilt übrigens auch für die verwendeten Futterleder.

Noch eine Vermutung zur Laufsohle: Diese scheint mir fassgegerbt zu sein, da ich doch recht schnell feuchte Füße in den Schuhen bekam. Ein Ausweg, der natürlich kostenintensiver für die Unternehmen ist, bietet der Einsatz einer grubengegerbten Laufsohle. Ihre Atmung ist weit aus besser als die der fassgegerbten Sohle.

Den abschließenden Wassertest haben die Borelli-Schuhe dagegen mit Bravour bestanden. Das Leder scheint bestens präpariert und das den Schuh treffende Wasser rutschte genauso rasch hinfort, wie es über den Borelli kam. Doch meine Vermutung, dass hier zu viel Farbe aufgetragen wurde, bestätigte sich leider. Die Wasserpfützen unter dem Schuh waren alles andere als klar (siehe Bild). Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie mit Ihren neuen Borelli-Herrenschuhen in eine Husche geraten und danach über den weißen Flokati flanieren möchten. Ihr Gastgeber könnte mit einem Tobsuchtsanfall reagieren.

Tragetest

Es war gar nicht so einfach in die Borelli-Herrenschuhe hineinzukommen. Für Männer, die aus unerfindlichen Gründen nach wie vor keinen Schuhlöffel benutzen, wird der Einstieg in diese Schuhe nahezu unmöglich werden, wenn sie nicht den Schuh nachhaltig beschädigen möchten.

Sitzen sie dann aber einmal an den Füßen, so fühlen sich die Borelli-Herrenschuhe äußerst gut an. Fest und dabei angenehm leicht umfassen sie den Fuß und auch die ersten Schritte wissen zu begeistern. Doch halt, was ist das? Drückt der Schuh im Fersenbereich? Ein wenig, das kann ich nicht leugnen. Ich bin hier wohl eine bessere Dämpfung gewöhnt. Auch habe ich das Gefühl, das ich ein klein wenig nach vorne kippe, wenn ich in den Schuhen stecke. Liegt das am Leisten, der hier benutzt wurde, oder habe ich dieses unwohle Gefühl exklusiv?

Vorne passt mir der Schuh wie angegossen, doch ich gebe zu bedenken, dass ich einen normalen Spann besitze. Herren mit einem hohen Spann werden definitiv nicht ihre Freude mit den Borelli-Herrenschuhen haben.

Bereits nach kurzer Tragedauer weiß ich die mit einem Profil versehene Gummiabsatzflecke zu schätzen. Auf Teppichunterböden, auf denen man sich mit Ledersohlen traditionell wie auf Glatteis fühlt, geben sie mir einen sicheren Rückhalt.

Nach einer knappen Woche Tragezeit bemerke ich erste Gehfalten. Diese verwundern mich bei dem verwendeten weichen Oberleder auch kaum. Meine Füße werden jedes Mal sehr rasch heiß in den Borelli-Herrenschuhen, das hätte ich nicht unbedingt erwartet. Ansonsten verrichten sie ihren Dienst gut. Selbst nach sechs Stunden Dauertragens fühlen sich meine Füße immer noch nicht gestresst an. Ich bin zufrieden, und wenn der geneigte Käufer auch immer die Pflege seiner Schuhe ernsthaft betreibt und wertige Schuhspanner nutzt, dann kann er an diesen Schuhen wirklich längere Zeit seine Freude haben.

Sonstiges

Der harte Teil liegt hinter uns, gehen wir rüber zu den Softskills der Borelli-Herrenschuhe. Hier kann ich ausnahmslos nur Positives feststellen.

Fangen wir beim Preis an. Der eigentliche Verkaufspreis der Borelli-Herrenschuhe lag einst angeblich bei 99,90 Euro, dass zumindest verriet mir das Etikett am Schuh. Ich wiederum bekam ihn für 59,90 Euro. Da fühlt man sich doch gleich als Gewinner! Doch nach einiger Recherche konnte ich nirgends einen Borelli-Schuh für knapp 100 Euro entdecken. Auch nicht in vergangenen Verkaufsphasen. Ich denke, dies ist ein gewiefter Marketing–Gag von Deichmann und ja auch nicht verboten. Der Kunde meint, so immer ein Schnäppchen gemacht zu haben.
Doch selbst für 99,90 Euro wäre dies kein schlechter Schuh, wie mein Test der Lloyd-Herrenschuhe bewiesen hat. Für 59,90 Euro bekommt der Kunde hier verdammt viel Herrenschuh für wenig Geld. Top!

Ebenfalls beeindruckend ist das angebotene Größenspektrum der Borelli-Herrenschuhe. Deichmann richtet sich also nicht nur an alle Käuferschaften, sondern auch an alle Fußgrößen unserer Republik. Die Borelli-Herrenschuhe sind in den Größen 40 bis 48 zu bekommen. Unter- und Übergrößen werden also ebenso versorgt.

Als letztes Gimmick wäre noch die Gentleman´s Corner zu nennen. Man findet sie nicht oft an Schuhen. Kennt man sie jedoch, dann vermisst man sie geradezu, wenn mal wieder Hosensaum am Absatz hängengeblieben ist. Bei den Borelli-Herrenschuhen kann dies dank Gentleman´s Corner nicht passieren.

In dieser letzten Rubrik räumen die Borelli-Herrenschuhe bei mir die Höchstwertung ab. Preis, Größenangebot und kleine Details wissen zu überzeugen und ich hab noch nicht einmal erwähnt, dass ihre Beschaffung äußerst leicht ist. Bei deutschlandweit etwa 1200 Deichmann-Filialen befindet sich meist immer eine in der Nachbarschaft.

Mein Fazit

Die Borelli-Herrenschuhe haben meine Erwartungen um Weiten übertroffen. Sicherlich, ich hatte hier keine Premiumschuhe in meinem Testlabor, doch die Qualität für knapp 60 Euro Anschaffungskosten kann sich wahrlich sehen lassen. Gerade in meinem Bekanntenkreis hat der Schuhgigant Deichmann ein eher schlechtes Image und auch ich hätte hier ehrlich gesagt einen Gurkenschuh erwartet. Bei meiner Recherche im Netz las ich von losgelösten Sohlen und Absätzen bei Borelli-Herrenschuhen, über miserablen Service und schlechte Qualität. Für mich persönlich war der Kauf ebenso eine Premiere gewesen. Ich gehörte zu den 30 Prozent der Bevölkerung, die noch nie eine Deichmann-Filiale von innen gesehen hatten.

Festhalten muss ich aber auch und das hat der Test bestätigt, dass das Label »rahmengenäht« durchaus nichts über die Gesamtqualität eines Schuhs aussagt. Die Verarbeitung kann als recht ordentlich angesehen werden, doch die verwendeten Materialien sind in ihrer Qualität wirklich nicht berauschend. Kein Wunder und da brauchen wir uns nichts vorzumachen: Bei diesem niedrigen Verkaufspreis müssen irgendwo Abstriche gemacht werden und eben gerade bei diesem Preis kann man nun wirklich keine Anschaffung fürs Leben erwarten.

Die Borelli-Herrenschuhe eignen sich mitunter ganz gut für Neueinsteiger auf dem Gebiet der rahmengenähten Herrenschuhe. Männer, die bisher von den vermeintlich hohen Anschaffungskosten abgeschreckt waren, können hier mit ruhigem Gewissen zugreifen. Mit den Borelli-Herrenschuhen erhält man eine rahmengenäht-light Erfahrung. Wenn die Schuhe dann auch nur im Ansatz zu überzeugen wissen, wird der Kunde beim nächsten Schuhkauf gewillt sein, einige Stufen höher in der Qualitätsskala von rahmengenähten Herrenschuhen zu kommen, da bin ich mir sicher. Einmal rahmengenäht, immer rahmengenäht!

Lloyd Herrenschuhe im Test – »Manolito«

»Manolito« von Lloyd

Im niedersächsischen Sulingen ist die deutsche Traditionsfirma Lloyd ansässig. Sie wissen schon, die mit dem roten Streifen im Absatz. Lloyd Herrenschuhe sind Schuhe des gehobenen Preissegments. Damit sind die Niedersachsen durchaus erfolgreich – nicht nur in Deutschland. Grund genug für mich einmal ein Paar Lloyd Schuhe in mein Testlabor einzuladen.

Wie üblich bei Lloyd bekommt jeder Schuh einen eigenen Namen. Meine Wahl fiel auf »Manolito«, einen klassischen Schnürer im Derbyschnitt. Jener entstammt der Lloyd Herrenschuhe Trend Kollektion, die nach eigenen Angaben alles was die aktuelle Mode und der internationale Trend gerade zu bieten hat vereint. Was das genau sein soll, wird leider nicht erwähnt.

Empfohlen werden die Lloyd Herrenschuhe zum sportlichen Sakko oder zu einem im dunklen Farbton gehaltenen Anzug. Zur Jeans sollten diese Lloyd Herrenschuhe aber ebenfalls eine sehr gute Figur abgeben. Allein zu fein darf der Anlass wirklich nicht sein, da wir hier ganz klar einen Schuh der agileren Art vor uns haben.

Übrigens, »Manolito« ist die spanische Koseform des Namens Manolo (auf deutsch dann Manuel). Ich bin skeptisch, ob die Lloyd Herrenschuhe diese verbale Liebkosung verdient haben.

Doch genug der Vorrede, folgen Sie mir an den Ort der Wahrheit – in mein Testlabor.

Das Testergebnis

Optik

Von seinem Look her stehen die Lloyd Herrenschuhe bei mir Spitz auf Knopf. Positiv sind ihr klassisches Grundkonstrukt, mit der auf beiden Seitenteilen aufliegenden und offenen 5-Loch-Schnürung. Es handelt sich hierbei um einen klaren Derbyschnitt und diesem Klassiker bin ich sehr zugetan. Ebenso weiß das dunkelbraune Oberleder durch die verschiedenen Farbnuancen zu gefallen. Der hier angewandte Gerbprozess kann in optischer Hinsicht als voller Erfolg gewertet werden.

Absolut gar nicht gefällt mir persönlich die verwendete Leistenform, durch die die Lloyd Herrenschuhe in einer unansehnlichen Form zur Spitze hin schmal zusammenläuft um dort dann doch wieder einen skurrilen wagerechten Abschluss zu finden. Für mich beißt sich das. Entweder das Design geht einen aufrichtigen Weg und gönnt dem Schuh einen spitzen Zulauf, oder aber es wird elegant ein klein wenig gerundet, bei gleichzeitig breiterer Vorderkappe. In seiner jetzigen Form aber wirkt der »Manolito« für mich wie ein fehlgeschlagenes Experiment aus dem Schuhlabor.

Die verstärkte Vorderkappe, die mit einer feinen Doppelnaht abgetrennt ist, läuft auf beiden Seiten diagonal nach Innen. Beidseitig wird sie von einer Ziernaht durchstoßen. Dies führt zu einer zentral auf dem Lloyd Herrenschuh liegenden Raute. Man könnte hier sicherlich von einem modisch legeren Kniff sprechen – für mich ist das ein absolut überflüssiges Gimmick, welches mein ästhetisches Empfinden schwer beleidigt.

So bleibt abschließend ein extrem zwiespältiger Eindruck bei mir hängen. Zum einen lobe ich das Grundkonstrukt des Schuhs, störe mich aber maximal an den optischen Verschlimmbesserungen. Ein wahrer Derby würde modisch eleganter und einen ganzen Tick dynamischer erscheinen. Schade.

Verarbeitung

Auf den ersten und flüchtigen Blick macht die Verarbeitung der Lloyd Herrenschuhe einen guten Eindruck. Doch schaut man nur etwas genauer hin, so fällt auf, dass der Teufel hier gar nicht erst im Detail zu suchen ist – nach dem Durchschneiden von »Manolito« lachte er mir direkt und unverhohlen ins Gesicht.

In der Produktbeschreibung von Lloyd steht: „Innen komplett in Leder gefüttert.“ Für den hinteren, gut sichtbaren Bereicht der Lloyd Herrenschuhe trifft das auch zu, kurz vor der Vorderkappe indes treffe ich billiges Textil an. Hat Llyod hier etwa geflunkert? Wehe dem, der in diesen Schuhen feuchte Füße bekommt.

Die Polsterung der Lederdecksohle besteht aus einfachem Schaumstoff und allein ein wenig Druck mit dem Finger offenbart das Versagen dieser Auskleidung. Hier wird es definitiv und zu keinem Zeitpunkt eine perfekte Passform geben.

Ohne großen Kraftaufwand lässt sich nun auch die Decksohle von der Laufsohle abreißen. Der verwendete Kleber kann mir nicht viel entgegensetzen. Eine Ausballschicht als auch ein Gelenkstück suche ich vergebens – deren Existenz wird ehrlicherweise aber auch gar nicht erst von Lloyd suggeriert. Die Machart der Herrenschuhe bleibt ebenso unerwähnt.

Der aufgesetzte Rahmen, samt sichtbarer Naht, dient hier allein der Zierde – Schaft und Brandsohle sind, wie so vieles bei diesen Lloyd Herrenschuhen miteinander verklebt.

Der Absatz, der auch das bekannte Markenzeichen der Lloyd Herrenschuhe beherbergt, macht dagegen einen guten Eindruck. Er hat die optimale Höhe, weist mehrere Schichten auf und kommt mit einer praktischen Gummiabsatzflecke daher. Das alles ist grundsolide und sollte dementsprechend einen raschen Abrieb vermeiden.

Es lässt sich festhalten: Lloyd hat mich in einem Punkt in die Irre geführt – das Innenfutter besteht mitnichten komplett aus Leder. Dies bedeutet nach meinen Regeln einen gesamten Punkt Abzug. Die restliche Verarbeitung des Schuhs, so unverständlich es sich anhören mag, ist in Ordnung – zumindest wenn ich hier einen Schuh der Preislage 60 bis 70 Euro in den Händen halten würde. Der »Manolito« aber wird von Lloyd mit 125 Euro ausgewiesen. In dieser Preisklasse kann ich als Kunde aber definitiv mehr erwarten. Ich bin enttäuscht!

Ledertest

Wie etwa 85 Prozent aller Lloyd Schuhe, besteht das Oberleder des »Manolitos« aus Kalbsleder. Das Leder ist Boxcalf-typisch sehr schmiegsam und dabei doch fest. Bei diesem Leder kann man eigentlich nicht falsch liegen. Prinzipiell kommt Boxcalf mit einer sehr feinen und interessanten Narbung daher – Lloyd konnte diese, durch ein offensichtlich aufwendiges Gerbverfahren, noch mit einem i-Tüpfelchen versehen. Das schillernde Farbenspiel des dunkelbraun durchgefärbten Leders ist eine wahre Freude fürs Auge.

Der Teil des Innenbereiches, der auch mit Leder gefüttert wurde, macht einen guten und soliden Eindruck. Hier hab ich nichts auszusetzen.

Auf der Unterseite gibt es dann noch eine kombinierte Glattleder-/Gummisohle zu bewundern. Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass dieses Glattleder der Lloyd Herrenschuhe hier kaum mit dem Boden in Kontakt kommen und der Gummipart für den nötigen Halt sorgen wird. Sieht zwar nicht so schick aus wie eine pure Ledersohle, aber erweist sich im Einsatz als äußerst praktikabel.

Abgesehen davon, dass hier nicht der versprochen hohe Anteil von Leder verarbeitet wurde, kann der »Manolito« im Ledertest überzeugen. Die Qualität des Leders ist hochwertig und seine Stärke genau richtig. Bei der Fertigung der Lloyd Herrenschuhe galt jedoch: nicht mehr als nötig.

Tragetest

Die Stunde der Wahrheit. Wie werden sich meine Füße und der »Manolito« verstehen? Haben die Lloyd Herrenschuhe ihren spanischen Kosenamen verdient und werde ich diesen nach einigen Wochen des Auftragens leise und glückselig hauchen?

Der Einstieg in den Schuh verläuft dank des geschmeidigen Boxcalf-Leders und der offenen Schnürung problemlos. Die Lloyd Herrenschuhe umschließen meine Füße und passen perfekt. Es scheint nichts zu drücken, und durch das geringe Gewicht des Schuhs macht sich bei mir so etwas wie Erleichterung breit. Die ersten Schritte fühlen sich einfach wunderbar an – ja, es kann hier von einem bequemen Geherlebnis gesprochen werden. Das hätte ich nach dem Blick unter die Haube des »Manolito« jetzt nicht unbedingt erwartet. Doch Zweifel bleiben bestehen. Wie werden sich die fehlende Polsterung und das minderwertige Fußbett der Lloyd Herrenschuhe auf Dauer auswirken und wie sehr werde ich mit Fußschweiß zu kämpfen haben?

Eine Woche später. Meine Befürchtungen haben sich leider bestätigt. Längere Märsche machen sich vor allem am Hacken bemerkbar. Er schmerzt, allein der Schaumstoff und der Absatz der Lloyd Herrenschuhe wissen ihn nicht zu schützen. Weitere Druckstellen offenbaren sich auf meinem Spann. Sicherlich, dieser ist bei mir vielleicht ein klein wenig breiter als der des Durchschnitts aber prinzipiell habe ich auf diesem Gebiet bisher keine nennenswerten Probleme gehabt.

Die Gummiledersohle trotzt des Anforderungen des Alltags mühelos und sieht selbst nach einigen hässlichen Erlebnissen (fiese Splittstraßen) immer noch passabel aus. Gleiches gilt für den Absatz der Schuhe. Auch erfreulich: Lauffalten machen sich nicht bemerkbar – sofern wirklich auch immer ein Schuhspanner nach Gebrauch eingesetzt wird.

Das Schuhklima der Lloyd Herrenschuhe ist wiederum nicht das Beste. Hier schlagen einfach die Verklebungen des Schuhs, als auch das verarbeitete Textil im Innenraum zu Buche. Die Füße haben keine wirkliche Chance auf eine richtige Belüftung und so fingen meine Füße im »Manolito« wirklich rasch zu schwitzen an. Kein Vergleich zu einem rahmengenähten Schuh. Schade.

Licht und Schatten liegen bei diesen Lloyd Herrenschuhen wieder dicht beieinander. Für kurze Aufenthalte in ihnen eignen sie sich wirklich hervorragend. Auch die Abnutzung des Schuhs hält sich wirklich in Grenzen. Einen Langzeitaufenthalt würde ich hier nun aber wirklich nicht buchen. Die mangelhafte Passform, geschuldet dem Fehlen von hochwertigen Materialien und die rasche Fußschweißbildung sind klare Argumente dagegen.

Sonstiges

Nach irgendwelchen Besonderheiten hab ich leider vergeblich gesucht. Die Lloyd Herrenschuhe erreichten mich in einem schlichten Firmenschuhkarton, der ohne zusätzliche Goodies daherkam. Keine Ersatzschnürsenkel, kein Schuhbeutel, kein gar nichts. Da kann man heute durchaus schon mal etwas anderes als Kunde erwarten.

Der Preis der Herrenschuhe wird von Lloyd mit 125 Euro ausgegeben. »Manolito« ist dementsprechend nicht gerade ein Schnäppchen – was er leider durch diesen Test bestätigt hat.

Zwei Punkte bekommen die Lloyd Schuhe dennoch von mir. Zum einen muss ich löblich erwähnen, dass Lloyd durchaus eine gestandene Marke am Markt ist und ein Großteil der Herrenschuhträger an sich bindet. Das Vertrauen zum Sulinger Unternehmen scheint ungebrochen hoch zu sein. Dafür Respekt.

Zum anderen habe ich das »Made in Germany« – Etikett mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. In Zeiten, wo in der deutschen Schuhindustrie mehr und mehr Arbeitsplätze Richtung Asien verschwinden ist es ein positives Zeichen, dass nach wie vor Schuhe in Deutschland produziert werden, die sich jeder Mann leisten kann.

Mein Fazit

Die Beziehung zwischen »Manolito« und mir ist gescheitert. Ich werde den Schuh wohl fortan Señor Manolo nennen, da wir beide es nicht vermochten auf die persönliche Ebene vorzustoßen, die eine Nutzung des Kosenamen »Manolito« verdient hätte.

Unser Verhältnis weist einfach zu viele Baustellen auf. Angefangenen beim unausgegorenen Design der Lloyd Herrenschuhe bis hin zu meinem schmerzenden Hacken. Nein, das war nichts gewesen und es kam noch viel schlimmer. »Manolito« war nicht ehrlich zu mir, in dem er behauptete, sein Innenfutter wäre gänzlich aus Leder – was es nicht war. Ein Spiel mit gezinkten Karten kann niemals Grundstein einer soliden Vertrauensbeziehung sein und einer solchen bedarf es zwischen Träger und Schuh.

Sicherlich, hätte ich mir beim Schuhdiscount um die Ecke ein solches Paar Schuhe für 50 bis 70 Euro geholt, so wäre ich gar nicht so enttäuscht gewesen. Ich hätte deutliche Abstriche in meiner Erwartungshaltung gemacht. Doch hier handelt es sich immerhin um einen Schuh der namhaften Marke Lloyd und dieser ist mit 125 Euro wahrlich kein Schnäppchen mehr. Mir scheint es fast so, als hätte ich mit meinem Geld eher den Namen bezahlt, denn einen hochwertigen Schuh – denn von hochwertig konnte hier keine Rede sein.

Inständig hoffe ich, dass es sich bei »Manolito« nur um das schwarze Schaf der Familie Lloyd handelt – so etwas kommt bekanntermaßen in den besten Familien vor. Irgendwann will ich mir noch einmal ein Paar Lloyd Herrenschuhe in mein Testlabor einladen. Das muss doch besser gehen! Hier und jetzt überwiegt jedoch meine Enttäuschung und so verbleibe ich mit traurigem Gruß.

Erfahrungen mit Shoepassion – Modell No. 561 im Test

Modell No. 561 von Shoepassion

Die Ehre der Eröffnung meines Testlabors obliegt einem Herrenschuh der Firma Shoepassion. Hinter dem eher sperrigen Namen Modell No. 561 verbirgt sich ein klassischer Full Brogue Oxford in dunkelbraun. Der Oxford gilt als der eleganteste Herrenschuh, sofern er schwarz und der Plain-Variante daherkommt. Beim Modell 561 handelt es sich jedoch um einen sportlich wirkenden Full Brogue Oxford. Versehen mit Lyralochungen und einer ornamentalen Rosettenverzierung an der Schuhspitze wirkt er dennoch sehr edel. Am besten eignet er sich zu Tweed, Cord und Flanell. Natürlich passt er auch zu einem Anzug und auch eine Kombination mit einer Jeans ist nicht völlig abwegig. Auf einer Hochzeit würde ich mich aber dennoch mit diesen Schuhen nicht blicken lassen – ich hab da meine Erfahrungen. Shoepassion hat dem Schuhe eine reichhaltige Verzierung gegeben. Diese und der braune Farbton beißen sich hier einfach mit einem zu feierlichen Anlass.

Modell No. 561 behauptet rahmengenäht zu sein und kommt neben einer Laufsohle aus Leder ebenso mit einem Lederabsatz daher. Dafür, das vergleichbare Schuhe deutlich teurer sind, nimmt der Shoepassion-Schuh den Mund hier ganz schön voll. Ich bin gespannt welche Erfahrungen ich mit dem Shoepassion Schuh machen werde und was sich unter seiner Haube verbirgt.

Das Testergebnis

Optik

Im Leben ist es doch so: Der erste Eindruck entscheidet oftmals den weiteren Verlauf einer Beziehung. Sicherlich, ab und an irrt man sich und wird dann eines Besseren belehrt. Der Shoepassion Oxford sieht auf den ersten Blick absolut umwerfend aus. Die bis zum Schaft reichende und aufgesetzte Flügelkappe bezaubert durch ihre ornamentale Rosettenverzierung, die sechs, an den Seitenteilen entlanglaufenden Lyralochungslinien sorgen für Dynamik und die elegant geschlossene 5-Loch-Schnürung verleiht dem gesamten Schuh die gewisse Anmut. Als Highlight bietet der Shoepassion-Schuh ein Finish auf der Vorderkappe. Hier wurde das Leder noch einmal extra bearbeitet was zu diesem herrlich glänzenden dunklen Schimmer führt. Die Shoepassion-Erfahrung wird für mich langsam greifbar.

Einzig eine herausstehende Minilippe am unteren Ansatz der Schnürung fiel mir negativ ins Auge. Astethisch indisdkutabel und praktisch höchst fragwürdig präsentiert sich dieser Firlefanz am Schuh – doch bei einem flüchtigen Blick fällt diese kaum auf.

Rein von seinem Erscheinungsbild weiß dieser Schuhklassiker mich zu begeistern. Bis auf diesen kleinen Fauxpas mit der überflüssigen Lippe hab ich nichts auszusetzen und bin hoch erfreut.

Verarbeitung

Das schwere Gewicht des Schuhs irritiert im ersten Moment, doch darf dies nicht verwundern – ganz im Gegenteil. Es sagt dem Schuhfreund mit Erfahrungen, dass hier echte und hochwertige Materialien verarbeitet wurden. Ein massiver Absatz, gepaart mit einer Ledersohle und einem edlen Oberleder. Das alles erscheint beim Shoepassion-Modell sehr solide verarbeitet zu sein – zumindest lässt dies der erste Eindruck erahnen und meine Erfahrung lehrt mich, dass ich hier meistens richtig liege. Die Rahmennaht ist beinahe perfekt arrangiert und der eigentliche Rahmen dabei kaum zu sehen. Einzig der Übergang der beiden Rahmenenden hätte ein klein wenig mehr an Aufmerksamkeit nötig gehabt.

Nach dem Aufflexen des Schuhs bestätigt sich mein erster guter Eindruck. Zum Vorschein kommt eine wunderbare Korkausballung und ja, der Rahmen dient hier nicht nur der Zierde, er hält den Schaft, Innen- und Laufsohle äußerst stabil zusammen. Die sich in der Rißlippe der Laufsohle befindende Stichreihe untermauert dies. Ebenso kommt ein echtes Gelenkstück zum Vorschein, was nicht immer üblich ist.

Der Absatz indes ist etwa einen halben Zentimeter zu kurz geraten um eine optimale Unterstützung zu gewährleisten. Offenbar hat sich der Schuhmacher nicht an die geltende Regel »ein Viertel der Sohle plus 1 cm« für die Anfertigung des Absatzes gehalten. Der Absatz des Modells No. 532 ist 1,8 Zentimeter hoch – und damit im Prinzip eben ein klitzekleinwenig zu hoch – doch ich will nicht päpstlicher als der Papst sein, es fällt hier wirklich nicht ins Gewicht.

Positiv wiederum: Es wurden ausschließlich natürliche Stoffe verarbeitet und der gesamte Schuh kommt ohne billige Verklebungen daher.

Fazit: Ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit und Erfahrung von Shoepassion in der Herstellung hier und da hätten dem Modell No. 561 sicherlich sehr gut gestanden – doch man beachte den Verkaufspreis des Schuhs. Sehr weit entfernt von den deutlich teureren Spitzenmodellen ist der Shoepassion-Schuh keineswegs.

Ledertest

Wer wie ich ein Freund dieses wunderbaren Materials ist und es ebenso zu schätzen weiß, der wird an diesem Schuh seine Freude haben. Nicht nur das hier das Ober- und Innenteil nebst Brandsohle aus Leder besteht, nein, auch die Laufsohle und der Absatz sind aus dem Naturprodukt gefertigt. Oberleder und Innensohle bestehen dabei aus feinstem italienischen Boxcalf. Dieses, vom Kalb stammende Leder, ist äußerst anschmiegsam und dabei doch straff, ohne starr zu wirken. Top! Lauf- und Zwischensohle sind aus Croupons vom Rind gefertigt. Hier gibt es nichts auszusetzen.

Den abschließenden Wassertest besteht das Leder mit Bravour. Als würde ein unsichtbarer Schutzschild das Leder beschützen, perlt es kommentarlos von ihm ab und verschwindet unter der Laufsohle.

Über die verwendeten Ledersorten kann ich mich nicht beschweren. Gerade in dieser Preislage wird man wohl nichts besseres finden.

Tragetest

Der Einstieg war kein leichter gewesen. Sollte ich etwa eine unschöne Erfahrungen mit den Shoepassion-Schuhen machen? Die Schnürung musste ich mächtig weiten und selbst dann war es doch sehr aufwendig in den Schuh zu gelangen. Endlich drin, melden die Füße sofort Alarm. Es ist ihnen einfach ein bisschen zu eng. Hab ich mich für die falsche Größe entschieden? Nein, laut Maßtabelle ist die 9 genau meine Größe und so stelle ich mich dem Schuh. Und siehe da: nur wenige Minuten später hat sich das Leder, welches anfangs doch unglaublich Widerstand leistete, meinen Füßen angepasst. Ich spüre den Schuh kaum mehr – wie angegossen umschmiegt er meinen Fuß und ich will jetzt nicht übertreiben, aber die Schritte wirkten wie der berühmte Lauf über Wolken. So federleicht, dank der hervorragenden Dämpfung des Schuhs, ging ich lange nicht mehr. Was für Lauf-Erfahrungen! Begeisterung breitet sich aus. Nach einigen Stunden zieh ich die Schuhe wieder aus. Statt Muff verströmen die noch warmen Schuhe einen angenehmen Duft von Leder. Ich bestücke sie mit passenden Schuhspannern und bin gespannt wie sie sich nach längerem Tragen anfühlen und aussehen werden.

Einige Wochen später. Ein klein wenig enttäuschend ist der Abrieb an der Ledersohle, welche nun doch schon arg geschunden aussieht. Anfangs sah sie wunderbar aus und versprühte den Hauch der Hochwertigkeit, doch leider nutzt sie sich, wie alle Ledersohlen übrigens, rasch ab. Dem Geherlebnis tut dies indes keinen Abbruch – allein von unten sehen die Shoepassion-Schuhe eben nicht mehr so bezaubernd aus. Doch, wer präsentiert anderen Menschen schon seine Schuhsohle? Eben.

Meine anfänglichen Bedenken lösten sich in Luft – nein – in Begeisterungsstürme auf. Mit den Shoepassion Oxfords durfte ich ein ganz besonderes Geherlebnis erfahren. Einzig die sich rasch abnutzende Ledersohle enttäuschte mich ein wenig. Aber und das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: Ich würde dennoch immer eine Ledersohle der Gummisohle vorziehen. Meine Erfahrungen lehren mich: Sie sieht nicht nur edler aus, nein, sie lässt sich auf sehr preiswert und rasch beim Schuhmacher des Vertrauens ersetzen. Verklebte Gummisohlenträger haben hier das Nachsehen.

Sonstiges

Modell No. 561 von Shoepassion hat ein äußerst überzeugendes Argument auf seiner Seite – den Preis. Mit 179 Euro ist dieser Oxford ein wahres Schnäppchen. Vergleichbare Schuhe kosten meist mindestens 100 Euro mehr. Ich bin begeistert und habe nachgeschaut, wie Shoepassion den Verkaufspreis so niedrig halten kann. Es ist einfach: Die Berliner nutzen einen äußerst effektiven Vertriebsweg. Ihre Marke kann nur online gekauft werden. Der Zwischenhandel wird bei diesem Deal außen vor gelassen und die eingesparten Euro geben die Berliner direkt an ihre Kunden weiter. Das überzeugt.

Die Verpackung des Schuhs steht ganz im Stile seiner hochwertigen Präsentation im Onlineshop des Anbieters. Ein im eleganten schwarz gehaltener Schuhkarton erreichte mich per Post. Verschlossen wurde er mit einen weißen Stoffband nebst Wachssiegel seines Herstellers. Ich erwarte so etwas nicht und war darüber sehr erfreut, steigerte es meine Vorfreude vor dem Öffnen des Kartons doch ungemein. Ebenso erfreulich: Neben den Schuhen liegt dem Karton eine liebevolle Kurzpflegeanleitung, ein Willkommenschreiben, ein Schuhbeutel und ein Paar Ersatzschnürsenkel bei. Da dies nicht immer Usus ist, möchte ich es an dieser Stelle einmal hervorgehoben haben. Eine positive Erfahrung mit Shoepassion also.

Ah ja, ein Gimmick hat Modell No. 561 noch zu bieten: Der Absatz des Schuhs ist mit der sogenannten »Gentleman´s Corner« versehen. Die Kante der Innenseite ist dabei ein wenig angeschrägt – was ein Hängenbleiben der Hose am Schuh verhindert.

Der Preis, die Details und die Präsentation des Schuhs dürften keinen Schuhliebhaber kalt lassen. Die Extras stimmen hier einfach und geben ein stimmiges Gesamtbild ab. Man merkt den Machern ihre Liebe zum Produkt wirklich an.

Mein Fazit

Ich bin wirklich froh, mit einem solch dankbaren Schuh mein Testlabor eröffnet zu haben. Shoepassion ist es gelungen, die Vorzüge von Schuhen des höheren Preissegments in einem Schuh, der für jeden erschwinglich sein dürfte, zu vereinen. Er punktet durch seinen hohen Anteil edlen Leders, der guten Verarbeitung und natürlich letztlich im Preis. Einige Federn musste er in meinem Test zwar lassen, aber wer auf der Suche nach einem wunderschönen, qualitativ hochwertigen und verlässlichen Businessschuh ist und dabei nicht auf ein prall gefülltes Konto zurückgreifen kann oder will, der kommt an diesen rahmengenähten Schuhe kaum vorbei. Die Shoepassion Schuhe waren eine erhebende Erfahrung für mich gewesen.