Mirapodo – Schuhe für einen Tausendfüßler

Mirapodo

Mit Mirapodo stieg im März 2010 ein weiterer Wettbewerber in den rasch wachsenden Markt des Online-Schuhhandels ein. Im Hintergrund der Berliner Firma steht der Handelsriese Otto, der für dieses Projekt weder Kosten noch Mühen scheute. Anpfiff zum großen Berliner Duell um die Vorherrschaft im digitalen Schuh-Geschäft zwischen Zalando und Mirapodo!

Sommer 2009. Im Wohnzimmer von Dr. Stephanie Caspar wird über das Abverkaufspotential von Mirapodo Schuhen diskutiert. Welche Marken mögen die Anwesenden? Wie kaufen sie ihre Schuhe ein und was vermissen sie dabei? Die Runde hält keinen Kaffee-Plausch, nein, Caspar hatte kurz zuvor das Auktionshaus ebay verlassen und folgte dem Angebot der Otto Group, einen Online-Schuhhandel in Deutschland, nach dem Vorbild von Zappos aufzubauen. Dieses erste Meeting, in noch sehr kleiner Runde, kann als Grundsteinlegung für die Schuh-Verkaufsplattform Mirapodo betrachtet werden.

Glamouröse Mirapodo Schuh-Party zum Start in Berlin

Dank des gebündelten Know-hows und dem üppigen Budget, erfolgte bereits Anfang 2010 die Betaphase von Mirapodo. Der Schuh-Shop Name übrigens leitet sich von der lateinischen Bezeichnung des Tausendfüßers, Myriapoda, ab. Bereits zum Start der Testphase hätte Mirapodo fünf Tausendfüßler mit Schuhen ausstatten können, so umfangreich war bereits zu diesem Zeitpunkt das Sortiment. Beta-Tester prüften das Online-Angebot in der Folge auf Herz und Nieren. Förderlich war hier ein 25 Euro Gutschein, der die Bestellungen ordentlich ankurbelte. Von mehr als 7500 Mirapodo Schuh-Bestellungen in kürzester Zeit ist die Rede.

Am 25. März 2010 war es dann endlich so weit. Über 600 geladene Gäste, darunter viele Stars und Sternchen, folgten der Einladung ins edle Berliner Amano Hotel um eine Mirapodo Schuh-Party zum Launch der Seite zu feiern. Die glamouröse Schuh-Party verwundert dabei nicht, schließlich steht dem Unternehmen nach eigenen Angaben ein Marketingbudget im siebenstelligen Bereich zur Verfügung. Mittlerweile beschäftigt Mirapodo knapp 30 Mitarbeiter, die in schicken Loftbüros im Berliner In-Bezirk Prenzlauer Berg residieren.

Für Mirapodo Schuhe besteht 100-tägiges Rückgaberecht

Die Unterschiede zum ebenfalls in Berlin ansässigen Konkurrenten Zalando (Shoepassion ist übrigens auch in Berlin) sind dabei marginal. Neben einem kostenlosen Versand, kann man die Mirapodo Schuhe innerhalb von 100 Tagen kostenlos retournieren. Ebenfalls steht den Mirapodo-Kunden eine Gratis-Hotline zur Verfügung. Insgesamt hat Mirapodo aktuell (Stand: Juni 2010) knapp 6000 Schuh-Modelle von rund 200 Marken im Sortiment – damit ist man dem Berliner Mitbewerber noch knapp unterlegen hat aber dafür Pflegeprodukte im Angebt, welche bei Zalando noch fehlen. Bekleidung gibt es derzeit noch nicht – was aber wohl kommen dürfte, wenn man dem Vorbild von Zappos weiterhin treu bleibt.

Letztlich wird das gewieftere Marketing, als auch die Preislage der Zalando-bzw. Mirapodo-Schuhe klären, wer von beiden die Nummer eins im deutschen Online-Schuhhandel ist. Immerhin besitzt Mirapodo mit dem Schuhkino ein nettes Gadget. Öffnet man dieses, so kommt der Schuh der Wahl in acht verschiedenen Ansichten und in vollster Größe auf dem heimischen Bildschirm zur Geltung. Mittels einer Zoom-Funktion kann auch das klitzekleinste Detail studiert werden. Dieses Feature weiß zu überzeugen und macht wirklich Spaß. Darüber hinaus setzt Mirapodo auf aktive Teilnahme seiner Kunden. Neben dem sehr informativen und aktuellen Blog und der mittlerweile riesigen Facebook-Gruppe gibt es die Schuhpiloten. Dahinter verbergen sich User von Mirapodo. Schuh-Trends und Styles sind die behandelten Themen der Blogger, die so einen regen Austausch betreiben. Eine gute Kundenbindung, wie ich meine.

Es ist enger geworden auf dem deutschen Onlineschuhmarkt und man darf gespannt sein welcher Zappos-Clon am Ende die Nase vorn haben wird.

Zappos – Die Mutter des Online-Schuhhandels

Zappos

Während sich viele in Deutschland noch fragten, was denn dieses Internet eigentlich sei, erzielte das amerikanische Unternehmen Zappos mit einer einfachen Geschäftsidee bereits Milliardenumsätze im Web. Amazon kam, sah und kaufte es auf. Dieses Beben erweckte weltweites Aufsehen und rief zahlreiche Zappos-Nachahmer auf den Plan. Dennoch: Zappos bleibt der weltgrößte Onlineschuhhandel.

Die Geburt von Zappos liest sich wie eine romantische Internet-StartUp-Geschichte aus längst vergangenen Tagen. Sie beginnt im Jahre 1998 in San Francisco. Der junge Nick Swinmurn ist auf einem Streifzug durch die Schuhläden einer Mall der Bay Area. Ziel seiner Begierde ist ein ganz bestimmtes Paar Airwalks. Doch die Suche gestaltet sich als äußerst deprimierende Erfahrung. Mal sind die beliebten Skaterschuhe zwar in der richtigen Größe vorhanden, doch stimmt die Farbe nicht. Oder aber es ist eben genau umgekehrt. Entnervt bricht Swinmurn die Shoppingtour ab. Doch etwas Gutes hatte diese enervierende Erfahrung. Sie gebar eine Idee, die den Kalifornier reich machen sollte. Er kehrte an diesem Abend Heim, in der festen Absicht, einen Online-Schuhhandel zu gründen. Nie mehr sollten Menschen sich für ein Paar Schuhe die Füße wund laufen müssen. Die Idee: Stattdessen könnten sie doch bequem von zu Hause und rund um die Uhr Schuhe im Internet einkaufen.

Amazon kaufte Zappos für 850 Millionen US-Dollar

Als Risikokapitalgeber konnte Swinmurn den damals 24-jährigen Tony Hsieh mit an Bord holen. Dieser sorgte ein Jahr zuvor für Furore, nachdem er sein StartUp „LinkExchange“ für 265 Millionen Dollar an Microsoft verkaufte. Die ihm von Swinmurn präsentierte Zahlen, nach denen bereits 1998 etwa fünf Prozent aller US-Schuhverkäufe über Katalogbestellungen abgewickelt wurden, überzeugten den Jungunternehmer. Swinmurn hatte seine Nische gefunden und gründete 1999 die Firma Zappos (angelehnt an das spanische Wort zapatos, welches für Schuhe steht).

Zappos entwickelte sich in der Folge prächtig und wuchs zum größten Online-Schuhhandel der Welt heran. Im Jahr 2008 konnte Zappos den Rekordumsatz von 1 Milliarde US-Dollar verbuchen. Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten und so konnte letztlich Amazon am 22. Juli 2009 verkünden, man habe Zappos für rund 850 Millionen US-Dollar übernommen. Wahrscheinlich eine kluge Entscheidung, denn Zappos selbst hätte Amazon auf dem Gebiet des Schuhhandels wohl kaum schlagen können. Dazu ein paar Daten, die dies verdeutlichen: Zappos beschäftigt heute mehr als 1300 Mitarbeiter. Neben ungefähr 3 Millionen Schuhen von mehr als 1136 Marken, bietet Zappos Handtaschen, Kleidung und Accessoires an. Auch beim Serviceangebot klotzt Zappos mächtig – was sie nicht ohne Grund in der Zufriedenheitsskala von US-Kunden ganz oben stehen lässt. Die Schuhe werden hier kostenlos ausgeliefert und der Käufer hat ein ganzes Jahr Zeit diese bei Nichtgefallen versandkostenfrei an Zappos zurückzusenden. Für Fragen und Anregungen steht eine Hotline rund um die Uhr an 365 Tagen zur Verfügung.

Zappos kreatives Mastermind ist nach wie vor Tony Hsieh

Amazon konnte so seine Geschäftsfelder attraktiv erweitern. Die Meldung der Übernahme schlug ein wie eine Bombe, deren Druckwelle auch noch weit über den Atlantik hinaus zu spüren war. In Deutschland machten sich in der Folge Zalando, Mirapodo und Shoepassion daran, die hiesigen Erben von Zappos zu werden.
Nick Swinmurn verließ Zappos übrigens im Jahr 2006. Er versucht sein Glück seitdem in neuen Projekten – bleibt dabei aber Teilhaber bei Zappos. Tony Hsieh ist bis heute CEO von Zappos und wird in den USA für seinen unkonventionell sympathischen Führungsstil gefeiert. Eine kleine Anekdote soll zu Erklärung helfen: Neuanfänger bei Zappos müssen ein vierwöchiges Training durchlaufen, bei dem sie mindestens zwei Wochen im Call-Center verbringen müssen. Nach Ablauf dieser Phase werden den potentiellen neuen Mitarbeitern 2000 Dollar angeboten, wenn sie sofort und unverzüglich die Firma verlassen wollen – ein Wiedereintritt ist dabei ausgeschlossen. Hsieh will auf diesem Weg loyale Mitarbeiter finden, die seine Ideen teilen und wegen dem Spaß an der Arbeit den Job machen und nicht in erster Linie wegen des Geldes.

Übrigens: 97 Prozent lehnen dieses Angebot ab. Wer mehr über die Gedankenwelt des Zappos CEO erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle sein Erstlingswerk „Delivering Happiness“ empfohlen.

Shoepassion – Leidenschaft für den rahmengenähten Herrenschuh

Shoepassion

Aus der persönlichen Leidenschaft für ausgefallene Schuhe der beiden Gründer, Tim Keding und Henry Bökemeier, hat sich Shoepassion entwickelt. Die kleine Berliner Firma hat eine Nische gefunden, die es so in Deutschland noch nicht gab. Sie offeriert ausschließlich rahmengenähte Herrenschuhe und bietet auf ihrer Seite alles Wissenswerte rund um diese Fußbekleidung.

Erst seit kurzer Zeit mischt der Herrenschuhe Hersteller Shoepassion im Onlineschuhhandel mit. Die kleine Berliner Firma offeriert ausschließlich rahmengenähte Herrenschuhe. Während also Zalando und Mirapodo die breite Masse der Deutschen im Visier haben, richtet Shoepassion sein Augenmerk einzig und allein auf die Männer mit Stil und da werde ich doch hellhörig – schließlich betrachte ich mich als Prototyp dieser Zielgruppe.

Der erste Eindruck des Internetauftrittes weiß zu überzeugen. In einem edlen Look werden hier vermeintliche Schuhträume der eigenen Marke offeriert. Von Klassikern, wie Derby Schuhen und Oxford Schuhen, über Herrenstiefel, bis hin zu wahrlich extravaganten Modellen -wo ich mich frage, zu welchen Anlässen soll man denn bitte goldene Krokoleder-Schuhe auftragen – findet sich die Basisschuhausstattung für den geneigten Gentleman.

Egoistischer Antrieb des Gründers gebar die Shoepassion-Idee

Mitnichten handelt es sich also bei Shoepassion um einen weiteren Zappos-Klon. Wäre ja nun wirklich auch langweilig. Glaubt man den Firmentexten auf der Seite und recherchiert noch ein wenig im Netz, so geht die Shoepassion-Geschichte wie folgt: Gründer Tim Keding, der bereits seit seiner Jugend ein glühender Verehrer von Schuhen ist, fühlte seine Bedürfnisse nach hochwertigen Expemplaren nicht im ausreichenden Maße vom Markt befriedigt. Entweder stieß er auf uninteressante 08/15-Treter, oder wenn er ansprechende Modelle fand, waren diese meist zu teuer. Aus diesem Notstand heraus kam ihm die egoistische Idee, doch einfach selber elegante und hochwertige Schuhe zu vertreiben. Vom Gelingen des Online-Schuhhandels war er bereits überzeugt, da der Online Marketer auch den US-Markt im Auge behielt und sich durch den Erfolg von Zappos bestätigt fühlte.

Zusammen mit seinem Freund Henry Bökemeier machte er sich an die Umsetzung seiner Idee. Ein spanischer Schuhhersteller wurde gefunden, der fortan für das junge Unternehmen Schuhe unter ihrem eigenen Label fertigt. Die Idee scheint brilliant, kann doch Shoepassion auf diesem Weg eine Marke nach eigenen Vorstellungen kreieren und diese Schuhe mit einem besonderen Preisvorteil anbieten, da der komplizierte Vertrieb vereinfacht wird. Der Zwischenhandel entfällt und der dadurch gewonnene Preisvorteil wird nach eigener Bekundung an die Käufer bei Shoepassion weitergegeben.

Rahmengenähte Herrenschuhe + riesige Wissenssammlung = Shoepassion

Dabei hat die Firma auf ihrer Internetpräsenz nicht nur Schuhe im Angebot, sondern bietet seinen Besuchern auch ein umfangreiches Wissen rund um unsere Fußbekleidung an. Über die Geschichte der Schuhe, genauster Beschreibungen der Einzelteile bis hin zur Schuhpflege findet sich hier ein beeindruckendes Schuhkompendium, welches nach eigener Aussage » das größte zusammenhängende Wissen über Herrenschuhe im deutschsprachigen Internet« darstellt.

Ein interessanter Ansatz, der zumindest mich überzeugen konnte. Hochwertige Herrenschuhe gepaart mit ihrer Geschichte. Beim Lesen der Texte erhält man ein Gefühl für die Leidenschaft, welche die Macher des Projekts angetrieben haben muss, um dieses Kulturgut für die Allgemeinheit festzuhalten und anzubieten. Die Preise für die Herrenschuhe scheinen dabei geradezu preiswert zu sein.

Nach 22-monatiger Vorbereitung – die Firma hat keine Großinvestoren wie Zalando und Mirapodo hinter sich – öffneten sich am 4. Februar 2010 die Tore zur Schuhleidenschaft. Erste Resonanzen im Internet fallen positiv aus. So zählt Shoepassion zu den zehn Nominierten für den Shop Usability Award 2010 in der Kategorie Mode. Über genaue Zahlen des noch sehr jungen Unternehmens ist nichts bekannt. Was man weiß: Shoepassion will seine Kollektion stetig erweitern und auch um Accessoires ergänzen.

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Herrenschuhe von Shoepassion im Test

Zalando – Schuhe im Netz nach US-Vorbild

Zalando

Der Schuhe-Versender Zalando erweckte den deutschen Online-Schuhhandel aus dem Dornrösschenschlaf. Das Berliner Unternehmen wandelt dabei auf den Fährten eines erfolgreichen amerikanischen Vorbilds und konnte bereits zahlungskräftige Investoren für die weitere Expansion gewinnen. Das Angebot an Service und Zalando-Schuhen ist dabei immens.

Die Zahlen für den Onlinehandel mit Schuhen in Deutschland waren bis vor kurzem kaum messbar. Sicher, die großen Versandhäuser führten in ihrem Online-Angebot auch Schuhe – doch in einem sehr überschaubaren Rahmen. In den USA hingegen sorgte das Unternehmen Zappos bereits seit einiger Zeit für fantastische Zahlen, ohne das man davon hierzulande groß Notiz genommen hätte. Erst die Übernahme durch Amazon im letzten Jahr, ließ auch bei deutschen Investoren die Überlegung reifen, dass man mit Schuhen im Internet tatsächlich Geld verdienen könnte. Der Schuh-Versender Zalando, von David Schneider und Robert Gentz bereits im Oktober 2008 gegründet, profitierte als erstes StartUp von diesem neuen Boom.

Zappos-Beben half Zalando Schuhe zu verkaufen

Man orientierte sich von Anfang an stark am amerikanischen Vorbild und konnte nach dem ersten Jahr auf durchaus zufriedenstellende Zahlen blicken. Das amerikanische Zappos-Beben brachte Zalando dann einen veritablen Schub im Verkauf der Schuhe. In den kommenden Monaten entwickelte sich Zalando zu einer höchst ertragreichen Verkaufsplattform von Schuhen im deutschsprachigen Internet. Größere Büroräume mussten in Berlin angemietet werden, die Zahl der Mitarbeiter stieg stetig an und bald war man durch TV-Spots zur besten Sendezeit deutschlandweit bekannt. Der Grund für diese rasante Entwicklung: Zappos Amazon-Übernahme in den Staaten lockerte auch die Geldbörsen hiesiger Geldgeber. Man könnte sagen, Zalando und Schuhe, das wr die perfekte Mischung zum richtigen Zeitpunkt. Wichtige Kapitalgeber zur Erweiterung des Schuh-Sortiments konnten so gewonnen werden, bevor eine wahre Zappos-Copycat-Schwemme den deutschen Markt überfluten würde.

Zalando-Schuhe und jetzt auch Kleidung

Die in Berlin ansässige Firma bietet mittlerweile über 7000 Schuhmodelle von mehr als 260 Schuhmarken (Stand: April 2010) an. Frauenschuhe stehen dabei im Mittelpunkt des Angebots, aber natürlich gibt es auch Herrenschuhe und Kinderschuhe in allen möglichen Ausführungen. Dank eines aufwendigen Service punktet Zalando. Schuhe werden kostenlos an den Kunden verschickt. Diesem bleiben dann bis zu 100 Tagen um die Zalando-Schuhe wiederum kostenlos bei Nichtgefallen an zurückzusenden. Ein lohnendes Geschäftsmodell, wie sich zeigt, denn jüngst ist auch die große Tengelmann-Gruppe als Investor beim Schuhe-Versender Zalando eingestiegen. Und während die Konkurrenz durch Mirapodo und Shoepassion sich erst noch einen Namen am Markt verschaffen muss, hat Zalando, ganz im Stile des amerikanischen Vorbilds, gerade sein Angebot neben Schuhe um Kleidung erweitert.

GEOX Schuhe – Amerikanischer Traum made in Italy

Geox

Mario Moretti Polegatos Wurzeln liegen im Weinhandel. Seine Familie ist der weltgrößte Prosecco-Exporteur. Von einem Betriebsausflug in die Rocky Mountains brachte er 1989 eine so einfache wie geniale Idee mit: Löcher in der Gummisohle verhindern Schweißfüße. Er stellte den Wein in den Keller und machte Geox zum drittgrößten Schuhproduzenten der Welt. Geox-Schuhe haben demnach einen wirklich hohen Bekanntheitsgrad.

Das Schuhhandwerk ist ein von alten Traditionen geprägtes Gewerbe. Viele Firmen blicken voller Stolz auf ihre lange Geschichte und nehmen dies als Ansatz für ihre angeblich hervorragenden Kompetenzen. Wie oft hier tatsächlich der Besitzer, die Strategie und die Produktionsstätten des Unternehmens gewechselt haben, wird dadurch verschleiert. Die Etikette der Tradition ist Gold wert, bürgt sie doch für Vertrauen. Doch wie schafft es ein neues Unternehmen sich am Schuhmarkt zu platzieren? Ganz einfach: durch Innovation! Gerade einmal 15 Jahre alt ist die italienische Firma Geox. Die Schuhe machten seinen Gründer Mario Moretti Polegato zum fünftreichsten Italiener.

Polegato schnitt Löcher in die Sohle seiner Schuhe – Geox war geboren

Dieser erkannte zwar nicht als Erster, dass Gummisohlen Schweißfüße begünstigen, da Gummi absolut nicht atmungsaktiv ist, aber er war der Erste, der gegen diesen Missstand ein so einfaches wie geniales Mittel erfand: Der Legende nach geschah es 1989 in den Rocky Mountains. Polegato, damals noch Geschäftsführer des Familienweingutes, echauffierte sich über seine schwitzenden Füße während des anstrengenden Marsches durch die Rockys. Als Mann der Tat bohrte er kurzerhand mit einem Messer Löcher in seine Schuhe und erfreute sich an dem kühlenden Effekt. Dumm war nur, dass diese neu geschaffenen Öffnungen so groß waren, dass wiederum Wasser und Dreck in den Schuh eindringen konnten. Doch die Idee für Geox-Schuhe war geboren.

Noch heute zeugt eine kleine Narbe an der Hand des Unternehmers von der Geburt seines äußerst profitablen Einfalls. Zurück in Italien arbeitete er an der professionellen Umsetzung. So setzte er an den Stellen, wo sich die meisten Schweißdrüsen an der Fußsohle befinden, Löcher in die Sohle. Doch damit nicht genug. Über der Laufsohle der Geox-Schuhe lagert eine spezielle Membran, die aus porösem Material besteht. Ihr Material wurde von der NASA entwickelt. Sie nimmt den Schweiß im Fuß auf und leitet diesen durch die perforierte Sohle nach außen. Die Dichte der Mikroporen der Membran ist dabei so gering, dass kein Wasser von außen mehr in die Geox-Schuhe eindringen kann.

Durch pfiffige Idee erobern die Geox-Schuhe den Weltmarkt

Seine mittlerweile patentierte Idee offerierte der Italiener zuerst den großen Sportartikelherstellern Adidas und Nike. Beide lehnten ab. Überzeugt von der Innovation seiner Erfindung gründete er kurzerhand im Jahr 1995 im italienischen Ort Treviso die Firma Geox. Schuhe standen anfangs im Mittelpunkt des Geschäfts. Tatsächlich schienen die Käufer nur auf dieses technisch innovative Produkt gewartet zu haben, welches von Geox auf alle erdenklichen Schuhe angewendet wird. Innerhalb von zehn Jahren avanciert Geox zum größten Schuhhersteller Italiens und zum drittgrößten Schuhlieferanten in der Welt. Seit 1999 wird das Geox-Prinzip unter dem Label „Geox Apparel“ auch auf Oberbekleidung angewendet. Im Jahr 2004 erfolgte gar der Börsengang des Unternehmens. Im zurückliegenden Geschäftsjahr wurden weltweit über 20 Millionen Paar Geox-Schuhe verkauft. Das Unternehmen erwirtschaftete in dem Krisenjahr einen Umsatz von 865 Millionen Euro.

Qualitätsmängel bei Geox-Schuhen führt zu Einbruch in Deutschland

Deutschland ist übrigens der größte Markt von Geox außerhalb Italiens und gerade hier gibt es für die Italiener eine Hiobsbotschaft. So hat der deutsche Schuhfachhandel für dieses Jahr rund 50 Prozent weniger Geox-Schuhe bestellt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Grund dafür sollen Qualitätsmängel sein. Viele Schuhhändler bemerkten undichte Geox-Schuhe, die den Kunden nasse Füße bescherten. Bricht Geox hier etwa sein Versprechen? Der Konzern wollte diese Meldungen nicht kommentieren.

Gleichwohl blickt Polegato positiv in die Zukunft, schließlich besitzen 90 Prozent der weltweit getragenen Schuhe eine Gummisohle, die nach Ansicht Polegatos nur darauf warten durch das Geox-Prinzip atmungsaktiv gemacht zu werden. Das wachsende Sortiment spricht dabei für ihn.

Übrigens: Der Firmenname Geox setzt sich aus dem griechischen Worte „geo“ (Erde) und dem Buchstaben x zusammen. Das x symbolisiert dabei die Technologie, die in den Schuhen steckt.

Lloyd Schuhe – roter Streifen im Absatz als Markenzeichen

Lloyd

Schulze, Müller oder Meier. Drei deutsche Nachnamen, die statistisch gesehen doch recht häufig in unseren Breiten vorkommen und gerade dadurch nichts Besonderes sind. Einer davon, ein Meyer mit Y immerhin, zeichnet sich jedoch verantwortlich für eine deutsche Erfolgsgeschichte: Lloyd Schuhe, gegründet von Hermann F. Meyer, eroberten den Weltmarkt.

Es war im Jahr 1888, als der Schuhfabrikant Hermann F. Meyer in Bremen die H. F.-Meyer-Schuhfabrik gründete. Doch Herr Meyer war nicht so glücklich damit gewesen, dass seine Firma genau wie er hieß. Er machte er sich auf die Suche nach einem praktikablen, weil kurz und knappen, dabei aber einzigartigen Begriff. In der Seefahrt wurde er fündig und meldete im Jahr 1905 Lloyd als Markennamen an, bevor im Jahr 1927 das gesamte Unternehmen unter dieser Marke zusammenlief. Lloyd, ein Begriff, der für eine Mischung auf Fortschrittlichkeit und Avantgarde stehen sollte und dabei leicht zu merken wäre.

Lloyd Schuhe werden seit 1942 im niedersächsischen Sulingen produziert

Natürlich war es nicht der Name allein, der die Firma ihren Siegeszug antreten ließ. Produziert wird ab 1942 im niedersächsischen Sulingen – bis heute übrigens. Lloyd ist mit seinen Schuhen ein wichtiger Arbeitgeber in der Kleinstadt und es darf ruhig erwähnt werden: Lloyd ist die größte Schuhmanufaktur des Bundeslandes. Berühmtheit erlangt sie im Jahr 1968, als der markante rote Streifen im Absatz als Erkennungsmerkmal eingeführt wurde. Eine Innovation, durch die der Schuhhersteller zu den Ersten gehört, deren Markenzeichen direkt am Produkt zu finden war. Nur zehn Jahre später dann eine erste Krönung für das erfolgreiche Unternehmen: In Italien erhält Lloyd den Schuh-Oscar, den damals wichtigsten Preis der Branche.

Alle 15 Minuten verlässt ein Paar Lloyd Schuhe die Fabrik

Lloyd begreift sich als Unternehmen, welches das höhere Preissegment der Schuhwelt bedient. Gemeint ist damit die Preislage ab 100 Euro aufwärts. Dafür bietet Lloyd auch einiges. So sind 85 Prozent der Schuhe aus feinstem Kalbsleder gefertigt. Die übrigen 25 Prozent entfallen auf Ziegen- und Büffelleder. Maximilian Müller, Sprecher der Geschäftsleitung, verspricht neben den besten Materialien auch eine lange Passformgenauigkeit. Diese Faktoren relativieren dann auch rasch den anfangs hoch erscheinenden Preis für Lloyd Schuhe.

Die übrigens auf dem deutschen und dem Weltmarkt sehr gefragt sind. Insgesamt werden täglich etwa 6000 Paar Lloyd-Schuhe gefertigt. Davon etwa 4000 in Rumänien und 2000 in Deutschland. Für den Aufbau eines Lloyd-Schuhs benötigen die Arbeiter circa 15 Minuten. Zwischen 1968 bis 2001 waren es ausschließlich Herrenschuhe gewesen, die das Werk verlassen haben. Mittlerweile bietet Lloyd wieder eine eigene Damenkollektion an, was auch schon vor 1968 der Fall gewesen ist. Erweitert hat man sein Portfolio auch um Taschen, Geldbörsen, Aktenkoffer und Socken.

Veritable Partnerschaft: Lloyd Schuhe an den Beinen von Fußballprofis

Das Kerngebiet bleibt natürlich der Schuh. Mehr als 200 Herrenschuhmodelle in 480 Varianten hat die Firma im Angebot. Um hier nicht die Übersicht zu verlieren, hat jedes Paar Lloyd Schuhe einen eigenen Namen. Etwa 120 Arbeitsschritte, davon viele von Hand, bedarf der Aufbau von den rund 150 Einzelteilen, aus denen ein jeder Lloyd Schuh besteht. Exportiert werden die Schuhe in über 40 Länder. In vielen davon ist man nach eigener Aussage Marktführer im Segment des Premium-Businesschuhs.

Für den hohen Bekanntheitsgrad der Marke Lloyd sorgen weltweit 48 Concept-Stores, verschiedene Showrooms und natürlich veritable Partnerschaften, wie die als Ausstatter von Bayer Leverkusen und Schalke 04 in der Deutschen Bundesliga.

Lloyd fertigt heute wie damals hauptsächlich schlichte elegante Schuhe mit absolutem Qualitätsanspruch, der sich, nach eigenen Aussagen, stets an der Zufriedenheit des Kunden orientiert hat. Der weltweite Erfolg gibt dem Unternehmen dabei recht.

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Lloyd Herrenschuhe im Test